Wie steht es in 300 Jahren um die Kunstmuseen?
Im Rahmen des Propädeutikums durfte ich mit der Gruppe eine Diskussion zu meiner Frage führen. Im folgenden Gespräch gebe ich interessante Gedanken gekürzt und aus der Erinnerung wieder.
«Wie stellt ihr euch Kunstmuseen 300 Jahre in Zukunft vor?»
«Ich denke, die Werke würden in einem Hologramm gezeigt werden. So wäre die Ausstellung auch unabhängig, sie könnte z. B. an Schulen gezeigt werden, ohne dass die Klassen ins Museum gehen müssen.»
«So könnte die Ausstellung überall gleichzeitig und auf Knopfdruck gezeigt werden. Denkt ihr, die Erfahrung in einer digitalen Ausstellung ist die gleiche wie in einem physischen Museum?»
«Nein, man kann den Raum ja so nicht erfahren. Es ist da, aber doch nicht als Original. Aber als Hologramm liesse sich schon ein ziemlich genauer Eindruck erhalten.»
«Was würde es mit der Kunst machen, wenn sie überall erhältlich wäre? Wie wäre der Umgang mit diesen «Replikaten» im Verhältnis zum Original?»
«Das Original bleibt schon wichtig, dieses könnte wirklich in einem Museum sein.»
«Das bedeutet, es würde die überall verfügbaren digitalen Ausstellungen geben, aber doch noch Museen, wie es sie heute gibt.»
«Ja, diese physische Erfahrung kann nicht ersetzt werden. Ich denke, mit einer VR-Brille könnte das Erlebnis dem im Museum sehr nahe kommen.»
«Und doch sind es nicht die Originale, die zu sehen sind. Macht diese Materialität der Kunstwerke etwas aus in der Wahrnehmung?»
(Nachträglicher Gedanke: Kunstwerke dürfen sowieso in den meisten Fällen nicht angefasst werden. Somit kann die Materialität sowieso nur visuell wahrgenommen werden. Pragmatisch gesehen hinkt eine VR-Brillen-Ausstellung dieser Wahrnehmung also nicht hinterher.)
«In Zukunft könnte es sein, dass die Menschen Replikate von allen Kunstwerken bei sich zu Hause anfertigen können, die sie haben wollen.»
(Nachträglicher Gedanke: Was ist mit dem kuratorischen Aspekt? Wenn Leute alle Werke zu Hause nachbilden können, dann ist das keine kuratierte Ausstellung. Im Museum hingegen handelt es sich um kuratierte Ausstellungen.)
«Damit wäre der Zugang zu Kunst für alle gegeben, ein Idealzustand also.»
«Wie gehen wir dann mit diesen zwei «Gattungen» um, den Originalen und den Replikaten? Wo bleibt die Kunst?»
«Es ist eben eine neue Art von Kunst, wir könnten sie Knust nennen.»
«Lasst uns über die Einzigartigkeit eines Kunstwerks sprechen. Wird diese nicht untergraben, wenn es so oft, wie es beliebt, als «Knust» reproduziert werden kann? Gibt es dann überhaupt noch ein Original und einen Urheber?»
«Ja, das Original würde schon aufbewahrt und gezeigt werden, und der Urheber wäre auch klar. Er behält die Urheberrechte.»
«Somit sind Knustwerke eigentlich Fälschungen.»
«Das ist jetzt spannend. Wir haben also Fälschungen, die die Ausstellungen in Kunstmuseen ersetzen.»
«Es gibt die Theorie, dass das eigentliche Kunstwerk die inhaltlichen Gedanken hinter einem Werk sind und das physische Objekt bloss ein Stellvertreter für diese Gedanken. Würde das heissen, dass die Übersetzung eines inhaltlichen künstlerischen Gedankens in ein physisches Objekt wegfallen würde, also dass der inhaltliche Gedanke von der kunstschaffenden Person geschaffen wird, der physische Ausdruck davon aber von jeder Person selbst?»
«Woher weiss man denn, wie dieses physische Objekt aussehen würde?»
«Ja, das ist in der Tat ein Problem. Vielleicht kann das jede Person für sich selbst entscheiden. Sie wählt die physische Umsetzung, die ihrer Übersetzung des künstlerischen Gedankens entspricht.»
(Nachträglicher Gedanke: Wenn dem so ist, wer ist dann die kunstschaffende Person? Ist das Übersetzen in ein wahrnehmbares Objekt in der Kunst nicht genauso wichtig wie die Kreation eines inhaltlichen künstlerischen Gedankens?)
Vielen Dank an Sascha, Nelly, Patrik, Mathan, Nicole, Florine, Jan und Bernadett fürs Mitdiskutieren!
